Wer liebt, hat schon verloren

// Phädra von Jean Racine // Das Deutsche Theater Berlin bringt mit Phädra von Racine in der Inszenierung von Stephan Kimmig eine klassische Tragödie par excellence auf die Bühne und beweist, was schon Alfred Kerr befand: Phädra „bleibt schlichtweg ein spannendes, wundervoll gebundenes Meisterwerk [voll] kultivierter Leidenschaft. Treibhäuslicher Tragik. Alles wächst auf…

Zeit für ein Lied

// Glückliche Tage von Samuel Beckett // Samuel Beckett war der Dichter des Schweigens, der Poet des Nicht-Gesagten. – Verglichen mit anderen Inszenierungen, die derzeit Premiere feiern und ein Themenspektrum von Patriarchat über Nationalismus, Homosexualität, Klassenkampf und romantische Liebe bis hin zur Umweltzerstörung (wohlgemerkt gleichzeitig!!) abhandeln, geschieht in Glückliche Tage nahezu nichts. Und…

Weltbürgertum. Ein Spiel

// Die Welt in uns – eine Stückentwicklung von Turbo Pascal und Berliner Schülern // Zu einem Zeitpunkt, an dem nationalistische Strömungen eine erschreckende Kraft und Popularität entwickeln, erinnert das Deutsche Theater Berlin mit der Stückentwicklung Die Welt in uns des Berliner Theater- und Performancekollektivs Turbo Pascal an die nahezu vergessene Weltbürgerbewegung, die…

Wer zahlt, darf bleiben

// Katzelmacher von Rainer Werner Fassbinder // Auf den Dächern einer deutschen Provinzstadt ist genug Raum für neun Jugendliche und ihre Alltagsdramen. Sie saufen dort zusammen, streiten sich, teilen ihre Geheimnisse, haben Sex – und öden sich an. Mit Talent und Hingabe ist es dem Jungen DT unter Regie von Jessica Glause gelungen,…

Alles ist möglich

// BUCH. Berlin (5 ingredientes de la vida) von Fritz Kater // »Utopie, Phantasie, Instinkt, Liebe und Tod, Sorge: In BUCH. Berlin skizziert der Gegenwarts- und Erinnerungsautor Fritz Kater fünf mögliche Zutaten des Lebens«, so die Ankündigung des Deutschen Theaters Berlin für die Inszenierung von Tilman Köhler, die am 24. September 2016…

Im Riss wird plötzlich alles offensichtlich

// Der Mensch erscheint im Holozän nach Max Frisch // »Begonnen hat es …«, sagt Ulrich Matthes, und schon fällt der Vorhang wieder. Die neue Spielzeit eröffnet das Deutsche Theater Berlin mit einer poetischen, leisen und doch eindringlichen Inszenierung von Max Frischs Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän. Es ist die erste Regiearbeit,…

Unsere digitale Zukunft zwischen Forschung und Science Fiction

// Born Digital // Die jungen Menschen des Jugendclubs Born Digital sind allesamt Digital Natives. Digital Natives, das sind all jene, die in unser digitales Zeitalter hineingeboren wurden und vollkommen selbstverständlich mit dem Internet, Computern und Smartphones aufgewachsen sind. Born Digital widmet sich in dem gleichnamigen Stück, das am 2. Juni 2016…

… dreht sich im Kreis

// Berlin Alexanderplatz nach Alfred Döblin // Viel Geduld verlangte Sebastian Hartmann dem Publikum bei der Premiere seiner Inszenierung von Berlin Alexanderplatz am 12. Mai 2016 am Deutschen Theater Berlin ab. Nicht nur die monumentale Länge der Inszenierung von viereinhalb Stunden riss gewaltig am Geduldsfaden, auch szenisch vernachlässigte, als „abstrakt“ getarnte Szenen…

Die Distanz aus der Nähe erleben

// Evros Walk Water von Daniel Wetzel/Rimini Protokoll // Die Forderungen nach einer Beschränkung der Einwanderungszahlen werden immer lauter, werden zuletzt zu Drohungen. Diese Drohungen kommen aus dem Kern Europas, wo die Europäischen Werte vergessen scheinen, denn „alle diese Europäischen Werte, die auch mit der Würde des Menschen zu tun haben,…

Schräg nach oben oder schräg nach unten?

// Eisler on the Beach und Clavigo im Deutschen Theater Berlin // „Das war ja schräg“, kommentiert eine Zuschauerin die Premiere von Eisler on the Beach am 12. November 2015 im Deutschen Theater. Schräg ist diese Inzenierung schon, aber sie verläuft eher schräg nach unten. Ganz anders Clavigo, die Premiere am folgenden…